Der Mohn

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Der Mohn

Wie dort, gewiegt von Westen, des Mohnes Blüte glänzt!
Die Blume, die am besten des Traumgotts Schläfe kränzt;
Bald purpurhell, als spiele der Abendröte Schein,
bald weiß und bleich, als fiele des Mondes Schimmer ein.

Zur Warnung hört ich sagen, dass, der im Mohne schlief,
hinunter ward getragen in Träume schwer und tief;
Dem Wachen selbst geblieben sei irren Wahnes Spur,
die Nahen und die Lieben hält‘ er für Schemen nur.

In meiner Tage Morgen, da lag auch ich einmal,
von Blumen ganz verborgen, in einem schönen Tal.
Sie dufteten so milde! Da ward, ich fühlt es kaum,
das Leben mir zum Bilde, das Wirkliche zum Traum.

Seitdem ist mir beständig, als wär es nur so recht,
mein Bild der Welt lebendig, mein Traum nur wahr und echt;
Die Schatten, die ich sehe, sie sind wie Sterne klar.
O Mohn der Dichtung! Wehe ums Haupt mir immerdar!

Ludwig Uhland (1787-1847)



2 Antworten zu “Der Mohn”

  1. Matrosin sagt:

    Schönes Farbspiel, kann mich gar nicht dran satt sehen ;). Bei dem ständigen Grau da draußen, tut dein Bild (sowie das Gedicht) gerade gut!

  2. Irgendwie fängt für mich mit Mohn der Sommer an, ganz unabhängig vom Wetter. Diese rote, zarte und verletzliche Pracht zu sehen, ist immer wieder aufs Neue wunderbar. Und auch ich kann mich daran nicht stattsehen.
    LG Michel

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